Vom Klimaproblem zum CO₂-Speicher? Beton wird neu gedacht

CO₂ wird zum Bestandteil des Materials

Das Prinzip beruht auf einer natürlichen chemischen Reaktion.

Beton nimmt auch während seiner normalen Lebensdauer langsam CO₂ aus der Umgebung auf. Bei neuen Verfahren soll dieser Prozess jedoch gezielt und erheblich beschleunigt werden.

Besonders interessant ist dabei alter Beton.

Nach dem Abbruch von Gebäuden wird Beton zerkleinert. Dadurch entstehen sehr große neue Oberflächen. Werden diese Materialien unter kontrollierten Bedingungen mit CO₂ behandelt, kann ein Teil des Kohlendioxids mit dem Material reagieren und dauerhaft als Calciumcarbonat gebunden werden.

Das CO₂ wird damit nicht nur kurzfristig gespeichert, sondern chemisch in einen festen mineralischen Zustand überführt.

 

Neue Forschung zeigt das Potenzial

Im Juli 2026 untersuchten Forscher, wie sich feine Pulver aus Bau- und Abbruchabfällen gezielt zur CO₂-Mineralisierung einsetzen lassen.

Die Ergebnisse zeigen ein messbares Speicherpotenzial: Recyclingbetonpulver konnte je nach Material zwischen 33,5 und 54,7 Kilogramm CO₂ pro Tonne Material dauerhaft binden.

Eine weitere im August veröffentlichte Studie untersuchte karbonisierte feine und grobe Recyclingzuschläge für neuen Beton. Dabei geht es nicht nur um CO₂-Speicherung, sondern auch um eine entscheidende Frage für die Praxis: Kann das recycelte Material anschließend wieder für hochwertigen Beton eingesetzt werden?

Die Forschung zeigt, dass sich CO₂-behandelte Recyclingmaterialien grundsätzlich wieder in neue Betonmischungen integrieren lassen.

Damit entsteht perspektivisch ein Kreislauf:

Gebäude – Abbruch – Recycling – CO₂-Mineralisierung – neuer Beton.

 

Auch Europa investiert in die Technologie

In Europa laufen bereits mehrere Forschungsprogramme zur nächsten Generation klimafreundlicher Baustoffe.

Im EU-finanzierten Projekt C-SINC arbeiten Forscher und Unternehmen aus mehreren europäischen Ländern an neuartigen Bindemitteln. Dabei sollen Magnesiumsilikate eingesetzt werden, um CO₂ dauerhaft mineralisch zu binden.

Das Ziel geht deutlich über klassisches Recycling hinaus: Ein Teil des herkömmlichen Zements soll durch Materialien ersetzt werden, die bei ihrer Herstellung CO₂ aufnehmen.

Das Projekt wird mit rund 4 Millionen Euro gefördert.

Auch am Karlsruher Institut für Technologie werden entsprechende Betonbauteile bereits auf Tragfähigkeit, Dauerhaftigkeit und Sicherheit untersucht.

 

Warum Zement das eigentliche Problem ist

Beton besteht überwiegend aus Sand, Kies, Wasser und Zement. Klimatisch problematisch ist vor allem der Zement.

Bei der Herstellung von Zementklinker wird Kalkstein auf sehr hohe Temperaturen erhitzt. Dabei entstehen Emissionen nicht nur durch die benötigte Energie.

Ein erheblicher Teil des CO₂ entsteht unmittelbar durch die chemische Umwandlung des Kalksteins.

Deshalb lässt sich das Problem nicht allein dadurch lösen, Zementwerke mit erneuerbarer Energie zu betreiben.

Neue Bindemittel, weniger Zement pro Kubikmeter Beton, Recycling und CO₂-Mineralisierung müssen zusammenspielen.

 

Kein Wundermittel – aber enormes Potenzial

Aus Beton wird deshalb nicht automatisch ein klimaneutraler Baustoff.

Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung vom Juli 2026 warnt sogar davor, die natürliche CO₂-Aufnahme bestehender Betonbauten zu überschätzen. Sie reicht bei weitem nicht aus, um die Emissionen der Zementproduktion auszugleichen.

Genau deshalb sind technische Verfahren interessant, die Mineralisierung gezielt beschleunigen und gleichzeitig Recyclingmaterial für neue Baustoffe erzeugen.

Die entscheidende Frage lautet nun, ob sich diese Prozesse wirtschaftlich und in industriellem Maßstab umsetzen lassen.

Moore – die natürlichen Klimaanlagen unserer Landschaft

Ein natürlicher Wasserspeicher

Intakte Moore funktionieren ähnlich wie ein Schwamm. Bei starken Niederschlägen nehmen sie Wasser auf und halten es in der Landschaft. In trockenen Perioden bleibt dadurch länger Feuchtigkeit verfügbar.

Gleichzeitig sorgt die Verdunstung von Wasser für einen kühlenden Effekt auf die unmittelbare Umgebung. Moore können damit dazu beitragen, Landschaften widerstandsfähiger gegenüber Hitze und Trockenheit zu machen.

Auch bei Starkregen spielen sie eine wichtige Rolle, weil Wasser nicht sofort abfließt, sondern teilweise zurückgehalten wird.

Das Blinklingmoos zeigt, was Renaturierung bewirken kann

Im Blinklingmoos bei Strobl am Wolfgangsee wurde der natürliche Wasserhaushalt über Jahre wiederhergestellt. Frühere Entwässerungsgräben wurden verschlossen und Wasser wieder im Moor gehalten.

Gerade während trockener Perioden wird der Unterschied sichtbar: Auch wenn die Oberfläche trocken erscheinen kann, bleibt im renaturierten Moor darunter Feuchtigkeit erhalten.

 

Österreich belebt seine Moore wieder

Mit LIFE AMooRe – Austrian Moor Restoration läuft derzeit das größte Moor-Renaturierungsprojekt Österreichs.

Bis 2033 sollen auf rund 1.400 Hektar Moorflächen Maßnahmen zur Wiedervernässung und Renaturierung umgesetzt werden. Rund 40 Moorgebiete in allen neun Bundesländern sind Teil des Projekts.

Dafür stehen insgesamt 44,23 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Handlungsbedarf ist groß: Österreich verfügt über rund 44.000 Hektar Moorflächen. Mehr als 90 Prozent davon sind durch frühere Entwässerungen beeinträchtigt.

 

Kleine Flächen mit großer Wirkung

Moore bedecken nur einen kleinen Teil unserer Landschaft und erfüllen dennoch mehrere wichtige Funktionen gleichzeitig.

Sie speichern Wasser und Kohlenstoff, schaffen Lebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten und können dabei helfen, die Folgen von Wetterextremen abzumildern.

Die Wiederherstellung von Mooren zeigt damit sehr konkret, was moderner Klima- und Naturschutz leisten kann: natürliche Systeme wieder funktionsfähig und unsere Landschaft widerstandsfähiger zu machen.

Das Blinklingmoos am Wolfgangsee ist dafür ein anschauliches Beispiel.

Manchmal liegt ein Teil der Lösung direkt unter unseren Füßen.

Kann Biotechnologie bedrohte Arten retten?

Der Klimawandel verändert Lebensräume in einem Tempo, mit dem viele Tier- und Pflanzenarten kaum Schritt halten können. Neue Krankheiten breiten sich aus, Trockenperioden nehmen zu und ganze Ökosysteme geraten unter Druck. Klassischer Naturschutz versucht, Lebensräume zu erhalten, Populationen zu stabilisieren und schädliche Einflüsse zu reduzieren. Doch was passiert, wenn diese Maßnahmen allein nicht mehr ausreichen?

In Großbritannien wird derzeit an einem Ansatz geforscht, der bisher vor allem aus Medizin und Landwirtschaft bekannt ist: Biotechnologie soll wildlebenden Arten möglicherweise dabei helfen, widerstandsfähiger gegen Krankheiten und veränderte Umweltbedingungen zu werden.

Die britische Forschungsagentur ARIA (Advanced Research and Invention Agency) stellt dafür rund 54 Millionen Pfund bereit. Im Rahmen des Programms „Accelerated Adaptation“ untersuchen verschiedene Forschungsteams, wie sich die natürliche Anpassungsfähigkeit von Arten gezielt unterstützen oder beschleunigen lässt.

 

Bäume gegen Krankheiten widerstandsfähiger machen

Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf Europas Wäldern. Denn neben steigenden Temperaturen und zunehmender Trockenheit setzen auch eingeschleppte und neu auftretende Krankheitserreger vielen Baumarten zu.

Mehrere Forschungsgruppen untersuchen deshalb, wie Bäume besser gegen Pilzerkrankungen geschützt werden könnten. Ein Projekt entwickelt beispielsweise einen RNA-basierten Ansatz, der gezielt gegen bestimmte Krankheitserreger wirken soll. Ein anderer Forschungsansatz beschäftigt sich mit der Frage, ob sogar bereits ausgewachsene Bäume nachträglich widerstandsfähiger gemacht werden können.

Auch die zunehmende Trockenheit spielt eine Rolle. Forschende der Royal Botanic Gardens, Kew, untersuchen, ob sich Samen so behandeln lassen, dass daraus Bäume entstehen, die längere Trockenperioden besser überstehen können.

 

Hilfe für Amphibien und Bestäuber

Nicht nur Pflanzen könnten von den neuen Technologien profitieren. Auch bei Tieren werden ungewöhnliche Wege erforscht.

Ein Projekt beschäftigt sich mit Amphibien und dem gefährlichen Chytridpilz, der weltweit zahlreiche Populationen von Fröschen, Kröten und anderen Amphibien bedroht. Untersucht wird, ob gezielt veränderte Mikroorganismen auf der Haut der Tiere deren Widerstandsfähigkeit gegen die Infektion verbessern können.

Andere Forschungsteams widmen sich den Bestäubern. Sie untersuchen unter anderem Möglichkeiten, wildlebende Bestäuber besser gegen Viruserkrankungen zu schützen. Angesichts ihrer Bedeutung für die Fortpflanzung zahlreicher Wild- und Kulturpflanzen könnten entsprechende Entwicklungen weit über den Schutz einzelner Arten hinaus relevant werden.

 

Selbst Moore und Küsten könnten profitieren

Die Forschung beschränkt sich allerdings nicht auf bekannte Tier- und Baumarten. Auch unscheinbare Pflanzen, die für ganze Ökosysteme von entscheidender Bedeutung sind, stehen im Mittelpunkt.

Torfmoose beispielsweise bilden eine wesentliche Grundlage vieler Moore. Diese Ökosysteme können über lange Zeiträume große Mengen Kohlenstoff speichern. Ein Forschungsprojekt untersucht deshalb, wie Torfmoose widerstandsfähiger gegenüber veränderten klimatischen Bedingungen gemacht werden könnten.

Ein weiterer Ansatz beschäftigt sich mit Strandhafer. Die Pflanze stabilisiert Sanddünen und trägt damit zum natürlichen Küstenschutz bei. Forschende wollen herausfinden, ob sich ihre Anpassung an veränderte Umweltbedingungen beschleunigen lässt.

 

Wie weit dürfen wir in die Natur eingreifen?

Gezielte biotechnologische Eingriffe könnten künftig verhindern, dass einzelne Populationen durch Krankheiten, Hitze oder Trockenheit zusammenbrechen. Gleichzeitig sind natürliche Ökosysteme hochkomplex. Veränderungen an einer Art können Auswirkungen auf andere Arten und damit auf ganze Nahrungsketten haben.

Besonders schwierig ist dabei die Frage, wie sich mögliche langfristige Folgen abschätzen lassen. Während sich viele biotechnologische Verfahren unter kontrollierten Bedingungen untersuchen lassen, ist die Situation in der freien Natur wesentlich komplexer.

ARIA berücksichtigt diese Unsicherheiten und finanziert neben der biologischen Forschung auch Arbeiten zu Modellierung, Datenvalidierung, Ethik und Governance. Denn bevor entsprechende Technologien tatsächlich in der freien Natur eingesetzt werden, müssen ihre möglichen Folgen sorgfältig untersucht werden.

Erneuerbare Energie rund um die Uhr

Nicht eine Technologie löst das Problem – sondern ihr Zusammenspiel

Ein modernes Energiesystem basiert nicht nur auf Windrädern oder Solaranlagen. Entscheidend ist das Zusammenspiel verschiedener Bausteine:

  • Photovoltaik liefert tagsüber günstigen Strom.
  • Windkraft produziert häufig besonders viel Energie in den Abend- und Nachtstunden.
  • Batteriespeicher gleichen kurzfristige Schwankungen aus.
  • Pumpspeicherkraftwerke speichern überschüssige Energie über längere Zeit.
  • Grüner Wasserstoff kann saisonale Überschüsse speichern und später wieder nutzbar machen.
  • Intelligente Stromnetze verteilen Energie dorthin, wo sie gerade benötigt wird.

Genau diese Kombination macht eine stabile und zuverlässige Stromversorgung möglich – auch dann, wenn einzelne Energiequellen zeitweise weniger liefern.

Was passiert bei einer „Dunkelflaute“?

Als Dunkelflaute bezeichnet man Wetterlagen, in denen über mehrere Tage sowohl wenig Sonne scheint als auch nur schwacher Wind weht.

Die Studie zeigt jedoch, dass solche Situationen kein unlösbares Problem darstellen. Durch die Kombination unterschiedlicher Speichertechnologien, europaweit vernetzter Stromsysteme und einer flexibleren Nutzung von Energie lassen sich auch diese Phasen zuverlässig überbrücken. Das widerlegt einen der häufigsten Einwände gegen erneuerbare Energien.

Digitalisierung wird zum entscheidenden Faktor

Neben Wind- und Solarenergie gewinnt die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung.

Moderne Energiemanagementsysteme können Stromverbrauch und Stromerzeugung in Echtzeit koordinieren. Elektroautos laden beispielsweise bevorzugt dann, wenn besonders viel Solarstrom verfügbar ist. Batteriespeicher speichern überschüssige Energie und geben sie genau dann wieder ab, wenn sie gebraucht wird.

Dadurch wird das gesamte Energiesystem effizienter und stabiler.

Wenn die trockenste Wüste der Welt zu blühen beginn

Eine der trockensten Regionen der Erde verwandelt sich derzeit in ein riesiges Blütenmeer. In der Atacama-Wüste im Norden Chiles sprießen nach außergewöhnlich starken Regenfällen Millionen Pflanzen aus dem sonst nahezu vegetationslosen Boden.

Das seltene Naturphänomen wird in Chile „Desierto Florido“ – blühende Wüste – genannt. 2026 könnte die Blüte besonders großflächig ausfallen.

 

Jahrelang im Boden – und plötzlich erwacht

Unter der Oberfläche der Atacama befinden sich Samen und Zwiebeln von rund 200 verschiedenen Pflanzenarten. Viele davon können lange Trockenperioden überstehen und warten auf ausreichend Feuchtigkeit, bevor sie keimen.

Genau diese Bedingungen sind nun eingetreten. Außergewöhnlich starke Niederschläge haben Teile der Region regelrecht aufgeweckt.

In manchen Gebieten wurden in diesem Winter mehr als 180 Millimeter Niederschlag gemessen. César Pizarro von der chilenischen Forstbehörde CONAF bezeichnete diese Mengen als außergewöhnlich hoch und in dieser Form bislang nicht registriert.

Das zusätzliche Wasser dringt in den Wüstenboden ein und schafft die Voraussetzungen dafür, dass unzählige Samen nahezu gleichzeitig keimen können.

 

Bis zu 15.000 Hektar könnten blühen

Violette, weiße, gelbe und rosafarbene Blüten breiten sich inzwischen über große Flächen aus. Zu den typischen Arten gehören unter anderem die violette „Pata de Guanaco“ und weiße „Suspiros“.

Nach Einschätzung der chilenischen Behörden könnte die Blüte 2026 eine Fläche von bis zu 15.000 Hektar erreichen. Ihren Höhepunkt dürfte sie im Oktober erreichen.

Das entspricht einer Fläche von rund 21.000 Fußballfeldern und macht deutlich, welche Dimension dieses seltene Naturschauspiel erreichen kann.

 

Ein Naturschauspiel mit zwei Seiten

Die außergewöhnlichen Niederschläge sorgen nicht nur für spektakuläre Bilder. Starkregen kann in den trockenen Regionen Chiles gleichzeitig erhebliche Schäden verursachen.

Damit zeigt die blühende Atacama zwei Seiten außergewöhnlicher Niederschlagsereignisse: Sie können einerseits Leben in eine scheinbar leblose Landschaft zurückbringen, andererseits aber auch Menschen und Infrastruktur gefährden.

Besonders faszinierend ist die enorme Widerstandsfähigkeit der Pflanzen. Über lange Zeit scheint der Boden nahezu leblos. Tatsächlich wartet unter der Oberfläche ein ganzes biologisches Reservoir auf die passenden Bedingungen.

Wenn ausreichend Wasser vorhanden ist, beginnt innerhalb kurzer Zeit ein neuer Lebenszyklus. Pflanzen keimen, blühen und produzieren neue Samen, die wiederum lange Trockenperioden im Boden überstehen können.

Die blühende Atacama ist damit nicht nur ein spektakuläres Naturschauspiel. Sie zeigt, mit welchen Strategien sich Leben selbst an extreme Umweltbedingungen anpassen kann.

Europas Meere verändern sich dramatisch

Der heißeste Sommer seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen
Aktuelle Auswertungen zeigen, dass Europas Meere 2026 den heißesten Sommer seit Beginn der entsprechenden Satellitenaufzeichnungen im Jahr 1982 erlebt haben.
Besonders auffällig ist die Entwicklung im Golf von Biskaya. Dort wurden bis Ende August bereits 186 Tage mit marinen Hitzewellen registriert. Auch das Mittelmeer war über Monate von außergewöhnlich hohen Temperaturen betroffen.
Bereits Ende Juni hatte der europäische Erdbeobachtungsdienst Copernicus im westlichen Mittelmeer Temperaturabweichungen von bis zu 6 °C gegenüber dem langjährigen Durchschnitt festgestellt. Besonders betroffen waren Meeresgebiete vor Südfrankreich und entlang der italienischen Westküste.

Wenn Unterwasserwälder verschwinden
Die Erwärmung hat weitreichende ökologische Folgen. Vor der Küste Nordspaniens sind in manchen Gebieten bereits rund 95 % der ursprünglichen Tangwälder verschwunden.
Diese faszinierenden Unterwasserwälder bieten zahlreichen Meerestieren Nahrung, Schutz und wichtige Rückzugsräume. Ihr Verlust wirkt sich auf ganze Lebensgemeinschaften aus, darunter Hummer, Krebse und Seeigel.
Gleichzeitig verändern sich die Verbreitungsgebiete verschiedener Fischarten. Während wärmeliebende Arten in neue Regionen vordringen, verlieren andere zunehmend ihren angestammten Lebensraum.
Ein Meer mit immer weniger Sauerstoff
Steigende Temperaturen verändern nicht nur die Lebensräume, sondern auch die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Wassers.

Wärmeres Meerwasser kann weniger gelösten Sauerstoff aufnehmen. Gleichzeitig steigt bei vielen Meeresorganismen der Sauerstoffbedarf. Besonders problematisch wird dies in Küstengebieten, in denen zusätzliche Nährstoffeinträge das ökologische Gleichgewicht bereits belasten.
Marine Hitzewellen können zudem das Wachstum bestimmter Algen begünstigen und empfindliche Lebensgemeinschaften dauerhaft verändern.

Wie Europas Städte ihre Straßen zurückgewinnen – Mobilität für lebenswerte Stadträume

Paris: Aus Straßen sollen grüne Räume werden

In Paris wird der Umbau besonders sichtbar. Die Stadt setzt seit Jahren auf Radwege, verkehrsberuhigte Schulumgebungen und mehr Grün im Straßenraum.

Bei einer Bürgerbefragung im März 2025 stimmten rund 66 Prozent der Teilnehmenden dafür, weitere 500 Straßen zu begrünen und für den Fußverkehr umzugestalten. Das ist ein Ausbauziel, keine bereits abgeschlossene Maßnahme. Die geringe Beteiligung zeigt zudem, dass Zustimmung bei einer Befragung nicht automatisch einen breiten gesellschaftlichen Konsens bedeutet.

Die Richtung ist dennoch klar: Weniger versiegelte Flächen und mehr Bäume sollen nicht nur das Stadtbild verändern. Sie können Schatten schaffen, Regenwasser aufnehmen und die sommerliche Hitze lokal abmildern.

Barcelona: Nachbarschaften statt Durchfahrtsräume

Barcelona verfolgt mit seinen „Superblocks“ und grünen Straßenachsen einen ähnlichen Ansatz. Der Durchzugsverkehr wird eingeschränkt, während die Erreichbarkeit für Anwohner, Lieferungen und notwendige Fahrten erhalten bleiben soll.

Im dicht bebauten Stadtteil Eixample wurden Abschnitte von vier Straßen, darunter die Consell de Cent, zu grünen Achsen umgebaut. Neue Plätze, Bäume und Sitzgelegenheiten verändern dort die Nutzung des Straßenraums: Menschen können sich begegnen, Kinder bekommen mehr Platz und Wege zu Fuß werden angenehmer.

Dabei geht es nicht darum, jede Straße vollständig autofrei zu machen. Entscheidend ist, welcher Verkehr tatsächlich notwendig ist – und welcher eine Nachbarschaft lediglich als Abkürzung nutzt.

Gent: Durchzugsverkehr wird umgeleitet

Die belgische Stadt Gent zeigt, dass auch eine veränderte Verkehrsführung viel bewirken kann. Seit 2017 teilt ein Verkehrsplan das Zentrum in mehrere Bereiche. Wer mit dem Auto zwischen diesen Bereichen wechseln möchte, wird grundsätzlich über den Ring geführt, statt quer durch die Innenstadt zu fahren.

Das Zentrum bleibt erreichbar. Gleichzeitig wird die Nutzung als Durchfahrtsroute erschwert. Für Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad bleiben direkte Verbindungen bestehen.

Das Prinzip dahinter ist einfach: Eine Stadt kann notwendige Autofahrten ermöglichen, ohne sämtliche Straßen dem Durchzugsverkehr zu überlassen.

Weniger Verkehr braucht gute Alternativen

Solche Veränderungen sind kein Selbstläufer. Werden Autos nur in benachbarte Straßen verdrängt, verlagert sich die Belastung. Fehlen verlässliche Bus- und Bahnverbindungen oder sichere Radwege, wird der Alltag für viele Menschen schwieriger.

Auch Lieferverkehr, Pflegekräfte, Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Pendler müssen mitgedacht werden. Für lokale Geschäfte zählt nicht allein die Zahl der Parkplätze, sondern ob Kunden sie gut erreichen können. Ob ein Umbau den Handel stärkt, muss vor Ort geprüft werden – pauschale Erfolgsversprechen helfen ebenso wenig wie pauschale Ablehnung.

Planetary Health Check 2026: Bereits sieben von neun Grenzen stark überschritten

Die planetaren Grenzen beschreiben neun zentrale Prozesse des Erdsystems. Werden ihre sicheren Bereiche überschritten, steigt das Risiko, dass sich wichtige Systeme unseres Planeten dauerhaft verändern.

Der Planetary Health Check 2026 zeigt eine deutliche Entwicklung: Sieben der neun planetaren Grenzen liegen inzwischen außerhalb des sicheren Bereichs. Zuletzt wurde 2025 auch die Grenze für die Ozeanversauerung überschritten.

Betroffen sind damit Klimawandel, Integrität der Biosphäre, Veränderung der Landnutzung, Veränderung des Süßwasserkreislaufs, biogeochemische Kreisläufe, der Eintrag menschengemachter Substanzen und die Ozeanversauerung.

Nur bei der Ozonschicht und der globalen Aerosolbelastung der Atmosphäre hat sich die Situation im vergangenen Jahrzehnt verbessert. Bei den Aerosolen weist der Bericht allerdings darauf hin, dass die globale Entwicklung regionale Belastungen verdecken kann.

 

Ein Jahr der Extremereignisse verdeutlicht wachsende Risiken

Der Bericht stellt die Entwicklung der planetaren Grenzen in Zusammenhang mit zahlreichen Extremereignissen an Land und in den Ozeanen. Wie schwer deren Folgen ausfallen, hängt nicht nur vom Klima ab, sondern auch vom Zustand der Ökosysteme, von Wasserverfügbarkeit, Landnutzung und den Möglichkeiten der Menschen, sich an Veränderungen anzupassen.

2025 waren in Pakistan mehr als 6,9 Millionen Menschen von Monsunüberschwemmungen betroffen. Gleichzeitig erreichte der Wärmgehalt der Ozeane einen neuen Höchststand.

Besonders deutlich zeigt sich die Belastung in den Meeren: Von Januar 2023 bis September 2025 waren rund 84,4 Prozent der weltweiten Korallenriff-Fläche Hitzestress ausgesetzt, der Korallenbleiche auslösen kann. Laut Bericht war dies das bislang größte weltweit beobachtete Ereignis dieser Art.

Auch Europa war von außergewöhnlichen Wetterbedingungen betroffen. 2026 erlebte Westeuropa den heißesten Juni und Juli seit Beginn der Aufzeichnungen. Gleichzeitig herrschte in Frankreich, Spanien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich schwere Dürre. In Europa und Kanada kam es zu heftigen Waldbränden. Auch Japan, Südkorea und Teile des Nahen Ostens verzeichneten Rekordtemperaturen.

Die zentrale Botschaft des Berichts: Diese Entwicklungen sollten nicht als voneinander unabhängige Krisen betrachtet werden. Klima, Wasser, Ökosysteme, Land und Ozeane beeinflussen sich gegenseitig.

 

Natürliche Kohlenstoffsenken unter Druck

Eine besondere Rolle spielen natürliche Kohlenstoffsenken. Vegetation und Böden nehmen einen erheblichen Teil der vom Menschen verursachten CO₂-Emissionen auf.

Wiederholte Hitze, Dürren, Brände und geschädigte Ökosysteme können diese Aufnahme jedoch verringern. In einigen Regionen können sich Ökosysteme dadurch von CO₂-Senken zu CO₂-Quellen entwickeln.

Der Planetary Health Check untersucht deshalb auch, ob Modelle zur Kohlenstoffaufnahme an Land deren Widerstandsfähigkeit möglicherweise überschätzen. Das ist relevant, weil der Weg zu Netto-Null-Emissionen auch davon abhängt, dass natürliche Kohlenstoffsenken weiterhin funktionieren.

 

Warum die planetaren Grenzen zusammengehören

Die sieben überschrittenen Grenzen zeigen, dass Umweltveränderungen nicht isoliert voneinander betrachtet werden können. Der Verlust von Wäldern beeinflusst beispielsweise Klima und Wasserkreisläufe. Steigende Temperaturen wirken wiederum auf Ökosysteme und Ozeane.

Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der Ozonschicht, dass eine Verbesserung möglich ist. Internationale Maßnahmen haben dazu beigetragen, den Druck auf dieses Erdsystem zu reduzieren.

Die Herausforderung besteht deshalb nicht nur darin, weitere Überschreitungen zu verhindern. Langfristig geht es darum, bereits überschrittene planetare Grenzen wieder in Richtung eines sicheren Bereichs zu bewegen.

 

Mehr erfahren

Planetary Health Check 2026
https://www.planetaryhealthcheck.org/

Originalpublikation: Planetary Boundaries Science (PBScience), 2026: Planetary Health Check 2026. Potsdam Institute for Climate Impact Research, Potsdam, Germany.

Wie viel Strom und Wasser brauchen Europas Rechenzentren?

Künstliche Intelligenz erscheint auf unseren Smartphones und Computern beinahe schwerelos. Dahinter steht jedoch eine gewaltige physische Infrastruktur: Rechenzentren mit Tausenden Servern, leistungsfähigen Stromanschlüssen und aufwendigen Kühlsystemen.

Mit dem Boom der künstlichen Intelligenz wächst diese Infrastruktur derzeit besonders schnell. Damit steigen auch der Bedarf an Strom, Wasser und geeigneten Standorten.

Die Europäische Union will deshalb genauer erfassen, wie effizient Europas Rechenzentren tatsächlich arbeiten. Betreiber großer Anlagen sollen ihre Energie- und Wassereffizienz transparenter machen. Geplant ist außerdem ein europäisches Bewertungssystem für die Nachhaltigkeit von Rechenzentren.

 

2,5 Prozent des europäischen Stromverbrauchs

Bereits heute entfallen rund 2,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs der Europäischen Union auf Rechenzentren. Und der Bedarf dürfte weiter deutlich steigen.

Nach aktuellen Prognosen könnte sich die installierte Leistung europäischer Rechenzentren von rund 12 Gigawatt im Jahr 2025 auf etwa 28 Gigawatt im Jahr 2030 mehr als verdoppeln.

Ein wesentlicher Treiber ist künstliche Intelligenz. Nicht nur das Training großer KI-Modelle benötigt enorme Rechenleistung. Auch ihre tägliche Nutzung läuft auf leistungsfähigen Servern, die betrieben und gekühlt werden müssen.

 

Auch Wasser wird zum Thema

Weniger sichtbar ist der Wasserverbrauch. Server erzeugen große Mengen Wärme. Viele Rechenzentren nutzen deshalb Kühlsysteme, bei denen Wasser eine wichtige Rolle spielt.

Wie viel Wasser tatsächlich benötigt wird, hängt stark vom Standort, der eingesetzten Technik und dem Kühlsystem ab. Besonders relevant wird das in Regionen, in denen Wasser ohnehin knapp ist.

Damit bekommt auch die Standortwahl eine neue Bedeutung. Neben schneller Datenanbindung und ausreichend Strom werden die lokale Verfügbarkeit von Energie und Wasser sowie die klimatischen Bedingungen zunehmend wichtig.

 

Aus Abwärme wird Energie

Rechenzentren bieten gleichzeitig die Möglichkeit, einen Teil der eingesetzten Energie weiterzuverwenden.

Server produzieren kontinuierlich Wärme. Diese Abwärme kann beispielsweise in Fernwärmenetze eingespeist und zur Beheizung von Wohnungen, Büros oder öffentlichen Gebäuden genutzt werden.

In mehreren europäischen Städten werden solche Konzepte bereits umgesetzt. Aus einem bislang häufig ungenutzten Nebenprodukt der Digitalisierung kann damit eine lokale Wärmequelle entstehen.

 

Effizienz wird zum Wettbewerbsfaktor

Die entscheidende Frage ist nicht, ob Europa künftig Rechenzentren benötigt. Digitalisierung, Cloud-Dienste und künstliche Intelligenz werden den Bedarf an Rechenleistung weiter erhöhen.

Entscheidend ist, wie diese Infrastruktur aufgebaut und betrieben wird.

Erneuerbarer Strom, effizientere Chips und Server, intelligente Kühlsysteme, die Nutzung von Abwärme und geeignete Standorte können den Ressourcenverbrauch beeinflussen.

Auch wirtschaftlich gewinnt das Thema an Bedeutung. Energie ist beim Betrieb großer Rechenzentren nicht nur eine Umweltfrage, sondern ein wesentlicher Kostenfaktor.

Die digitale Zukunft ist damit keineswegs immateriell. Hinter jeder KI-Anwendung stehen reale Gebäude, Server und Ressourcen. Je stärker künstliche Intelligenz genutzt wird, desto wichtiger wird deshalb die Effizienz der Infrastruktur dahinter.

Wenn die Nacht stiller wird: Jeder neunte Nachtfalter Europas ist bedroht

Sie fliegen meist unbemerkt durch die Dunkelheit und stehen deutlich weniger im Fokus als Bienen oder Tagfalter. Dabei erfüllen Nachtfalter wichtige Aufgaben in Europas Ökosystemen.
Eine neue umfassende Bestandsaufnahme zeigt, wie stark diese Tiergruppe unter Druck geraten ist: Fast 11 Prozent der untersuchten Nachtfalterarten Europas gelten als vom Aussterben bedroht. Innerhalb der Europäischen Union sind es sogar fast 12 Prozent.
Damit ist ungefähr jede neunte Art gefährdet.

Mehr als 3.000 Arten untersucht
Für die neue Europäische Rote Liste wurden 3.082 Nachtfalterarten bewertet. Darunter befinden sich 704 Arten, die ausschließlich in Europa vorkommen.
Die Untersuchung ist die erste umfassende Bewertung des Aussterberisikos europäischer Nachtfalter nach den Kriterien der Roten Liste der IUCN.
Gleichzeitig bestehen große Wissenslücken. Für rund jede vierte untersuchte Art reichen die vorhandenen Daten nicht aus, um ihren Gefährdungsstatus zuverlässig zu bestimmen. Bei den ausschließlich in Europa vorkommenden Arten betrifft das sogar rund 35 Prozent.

Warum Nachtfalter wichtig sind
Nachtfalter werden häufig unterschätzt. Viele Arten tragen zur Bestäubung von Pflanzen bei. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Nahrungsgrundlage für zahlreiche andere Tiere, darunter Vögel und Fledermäuse.
Sie übernehmen außerdem Funktionen im Nährstoffkreislauf und sind eng mit bestimmten Pflanzen und Lebensräumen verbunden. Manche Arten sind hoch spezialisiert und auf einzelne Nahrungspflanzen oder bestimmte klimatische Bedingungen angewiesen.
Verschwinden Nachtfalter, kann das deshalb Auswirkungen auf ganze Nahrungsnetze und Ökosysteme haben.
Lebensräume verschwinden – und die Nächte werden heller
Zu den wichtigsten Belastungen gehören die Veränderung und Verschlechterung natürlicher Lebensräume sowie der Klimawandel. Hinzu kommen intensive Landwirtschaft, Pestizide, Umweltverschmutzung, die Zerschneidung von Lebensräumen und künstliches

Licht in der Nacht.
Gerade die Lichtverschmutzung ist für nachtaktive Insekten ein besonderes Problem. Straßenbeleuchtung, beleuchtete Gebäude und andere künstliche Lichtquellen verändern die natürliche Dunkelheit und können Orientierung, Nahrungssuche und Fortpflanzung beeinträchtigen.
Damit wird auch die Art und Weise, wie Städte und Gemeinden nachts beleuchtet werden, zu einer Frage des Artenschutzes.
Nicht jede Nacht muss hell sein
Ein Teil dieser Belastung lässt sich vergleichsweise einfach reduzieren. Licht kann gezielter eingesetzt, nach unten ausgerichtet und während wenig genutzter Nachtstunden reduziert werden.
Gleichzeitig brauchen Nachtfalter ausreichend naturnahe und miteinander verbundene Lebensräume. Der Schutz und die Wiederherstellung solcher Flächen gehören deshalb ebenso zu den wichtigen Maßnahmen wie die Verringerung von Umweltverschmutzung und unnötigem künstlichem Licht.
Dass Nachtfalter kaum wahrgenommen werden, macht ihren Rückgang nicht weniger bedeutend. Die neue Rote Liste zeigt erstmals in diesem Umfang, wie es um diese weitgehend unsichtbare Seite der europäischen Artenvielfalt steht.
Artenschutz findet deshalb nicht nur in großen Schutzgebieten statt. Er beginnt auch auf Wiesen und Feldern, in Gärten und Parks – und manchmal mit einer ganz einfachen Maßnahme: wieder mehr Dunkelheit in der Nacht.