Warum Regen allein Europas Wasserproblem nicht löst
Warum Regen allein Europas Wasserproblem nicht löst
Warum Regen allein Europas Wasserproblem nicht löst
Europa geht bei der Speicherung von Kohlendioxid einen neuen Schritt. In Dänemark wurde mit „Greensand Future“ die erste kommerzielle, vollständig integrierte Offshore-CO₂-Speicherkette der Europäischen Union eröffnet.
Das Prinzip: CO₂ wird abgeschieden, verflüssigt, zum Hafen von Esbjerg transportiert und anschließend mit einem eigens dafür vorgesehenen Schiff in die Nordsee gebracht. Dort wird es in ein ehemaliges Ölreservoir rund 1.800 Meter unter dem Meeresboden gepumpt und dauerhaft gespeichert.
Was lange vor allem in Pilotprojekten getestet wurde, soll damit erstmals innerhalb der EU im industriellen Maßstab betrieben werden.
Vom CO₂-Ausstoß zum Speicher unter der Nordsee
In der ersten Phase stammt das CO₂ vor allem aus dänischen Biomethan- und Biogasanlagen. Nach der Abscheidung wird es verflüssigt und per Lkw zum neuen CO₂-Terminal im Hafen von Esbjerg gebracht.
Von dort übernimmt ein spezielles Transportschiff. Ziel ist das ehemalige Ölfeld Nini West in der dänischen Nordsee. Über die bestehende Offshore-Infrastruktur gelangt das CO₂ schließlich tief unter den Meeresboden.
Der geologische Speicher wurde bereits während eines Pilotprojekts untersucht. Die technische Überprüfung des Speichers erfolgte unter anderem durch die unabhängige Prüfgesellschaft DNV.
Bis zu 400.000 Tonnen pro Jahr
In der ersten kommerziellen Phase kann Greensand bis zu rund 400.000 Tonnen CO₂ pro Jahr speichern. Das von der EU unterstützte Projekt sieht zunächst insgesamt rund 2,4 Millionen Tonnen innerhalb von acht Jahren vor.
Langfristig sind wesentlich größere Dimensionen geplant. Bei entsprechender Nachfrage und einem weiteren Ausbau der Infrastruktur könnte die Kapazität auf vier bis acht Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr steigen.
Die Europäische Union unterstützt Greensand Future mit 41 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds.
Warum CO₂ überhaupt speichern?
Carbon Capture and Storage – kurz CCS – soll vor allem dort eingesetzt werden, wo sich CO₂-Emissionen technisch nur schwer vollständig vermeiden lassen.
Dazu gehören beispielsweise Teile der Zement-, Kalk-, Chemie- und Stahlindustrie. Selbst bei erneuerbarer Energie entstehen bei manchen industriellen Prozessen weiterhin CO₂-Emissionen.
Die EU setzt deshalb neben erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Elektrifizierung zunehmend auch auf CO₂-Abscheidung und Speicherung. Bis 2030 sollen innerhalb der EU Kapazitäten zur Speicherung von mindestens 50 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr geschaffen werden.
CCS bleibt umstritten
Die Technologie ist allerdings kein Ersatz für die Vermeidung von Emissionen.
CO₂ muss zunächst abgeschieden, verflüssigt, transportiert und anschließend unter hohem Aufwand dauerhaft gespeichert werden. Dafür werden zusätzliche Energie, Infrastruktur und erhebliche Investitionen benötigt.
Kritiker befürchten zudem, dass ein zu starker Fokus auf CO₂-Speicherung die notwendige Umstellung auf emissionsärmere Produktionsverfahren verzögern könnte.
Befürworter sehen CCS dagegen als wichtigen Baustein für jene Industrieprozesse, bei denen sich Emissionen auf absehbare Zeit nicht vollständig vermeiden lassen.
Daten & Fakten
• Eröffnung von Greensand Future am 18. September 2026 in Dänemark
• erste kommerzielle, vollständig integrierte Offshore-CO₂-Speicherkette der EU
• Speicherung rund 1.800 Meter unter dem Meeresboden
• bis zu rund 400.000 Tonnen CO₂ Speicherkapazität pro Jahr in der ersten Phase
• rund 2,4 Millionen Tonnen geplante Speicherung innerhalb von acht Jahren
• langfristiges Potenzial von vier bis acht Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr
• 41 Millionen Euro Förderung aus dem EU-Innovationsfonds
• EU-Ziel: mindestens 50 Millionen Tonnen jährliche CO₂-Injektionskapazität bis 2030
Conclusio
Greensand ist ein bemerkenswerter Schritt: Aus einer über Jahre erprobten Technologie entsteht erstmals in der Europäischen Union eine kommerzielle Infrastruktur, die Abscheidung, Transport und dauerhafte Speicherung von CO₂ miteinander verbindet.
Ob CCS einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Klimaneutralität leisten kann, wird allerdings davon abhängen, wie schnell die Technologie skaliert werden kann, welche Kosten dabei entstehen und wo sie tatsächlich eingesetzt wird.
Denn CO₂ gar nicht erst entstehen zu lassen, bleibt die wirksamste Lösung.
Für jene Emissionen, die sich technisch nur schwer vermeiden lassen, könnte tief unter der Nordsee jedoch ein Teil der Lösung liegen.
Mehr Informationen: https://greensandfuture.com/
Weiße Kreidefelsen über der Ostsee, mächtige Buchenwälder, kilometerlange Strände und stille Boddenlandschaften: Rügen gehört zu den bekanntesten Naturregionen Deutschlands. Die größte deutsche Insel ist gleichzeitig ein Ort voller Gegensätze. Auf der einen Seite stehen traditionsreiche Seebäder und beliebte Strände, auf der anderen Nationalparks, Feuchtgebiete und Küstenlandschaften, in denen die Natur noch immer den Rhythmus bestimmt.
Genau diese Mischung macht Rügen für nachhaltiges Reisen besonders interessant. Denn die entscheidende Frage lautet: Wie kann eine stark besuchte Ferienregion wirtschaftlich vom Tourismus profitieren, ohne jene Natur zu gefährden, die Menschen überhaupt erst auf die Insel bringt?
Im Nordosten Rügens liegt der Nationalpark Jasmund. Mit rund 3.000 Hektar gehört er zu den kleinsten Nationalparks Deutschlands, landschaftlich jedoch zu den eindrucksvollsten. Sein bekanntestes Wahrzeichen ist der Königsstuhl, eine mächtige Kreidefelsformation hoch über der Ostsee.
Der eigentliche ökologische Schatz beginnt direkt dahinter. Auf der Halbinsel Jasmund wachsen alte Buchenwälder, von denen Teile zum UNESCO-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ gehören. Hier lässt sich beobachten, wie sich ein Wald entwickelt, wenn natürliche Prozesse wieder mehr Raum bekommen. Totholz bleibt liegen, Pilze und Insekten zersetzen es und schaffen damit die Grundlage für neues Leben.
Auch die berühmten Kreidefelsen sind keine unveränderliche Kulisse. Wind, Regen, Frost und die Brandung tragen ständig Material ab, immer wieder kommt es zu natürlichen Abbrüchen. Gerade diese Dynamik gehört zur Landschaft. Nachhaltiger Tourismus bedeutet deshalb auch, Absperrungen zu respektieren und zu akzeptieren, dass Natur nicht überall für den Menschen kontrolliert oder konserviert werden kann.
Viele Urlauber reisen mit dem Auto nach Rügen, was besonders in der Hauptsaison zu erheblichem Verkehrsaufkommen führt. Dabei besitzt die Insel gute Voraussetzungen für einen Urlaub mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Fern- und Regionalzüge fahren unter anderem nach Bergen auf Rügen und Binz. Von dort lässt sich die Reise mit Bus, Bahn oder Fahrrad fortsetzen. Eine Besonderheit ist der „Rasende Roland“, die historische Schmalspurbahn, die mehrere bekannte Ferienorte miteinander verbindet.
Wer seine Unterkunft entsprechend auswählt, kann große Teile des Urlaubs ohne eigenes Fahrzeug verbringen. Gerade auf einer Insel ist das sinnvoll: Der verfügbare Raum ist begrenzt und zusätzliche Straßen oder Parkplätze beanspruchen Flächen, die auch für Natur, Landwirtschaft oder die Bevölkerung wichtig sind.
Viele Menschen verbinden Rügen vor allem mit Strandurlaub. Doch die Insel eignet sich hervorragend zum Wandern und Radfahren. Besonders reizvoll sind Touren durch die Buchenwälder von Jasmund, entlang der Boddenlandschaften oder durch ruhigere Küstenabschnitte.
Auch bekannte Ziele wie das Kap Arkona lassen sich mit längeren Spaziergängen oder Radtouren verbinden. Wer sich etwas Zeit nimmt, entdeckt abseits der touristischen Zentren kleine Dörfer, Alleen, Felder, Feuchtgebiete und stille Küstenbereiche. Gerade dort zeigt Rügen einen Charakter, den man bei einer schnellen Rundfahrt kaum wahrnimmt.
Das Fahrrad ist dafür ideal. Die Entfernungen zwischen vielen Orten sind überschaubar, E-Bikes erweitern den Radius zusätzlich. Für eine stark besuchte Insel ist ein gutes Radwegenetz deshalb weit mehr als ein Freizeitangebot – es ist Teil einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie.
Rügen verfügt über eine lange touristische Tradition. Besonders Binz, Sellin und Göhren prägen mit ihrer historischen Bäderarchitektur das bekannte Bild der Insel. Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen bilden einen wichtigen Wirtschaftsfaktor, gleichzeitig stellt sich auch hier die Frage nach den Grenzen weiteren Wachstums.
Neue Unterkünfte benötigen Flächen, Energie, Wasser und Infrastruktur. Nachhaltiger Tourismus sollte deshalb stärker darauf setzen, bestehende Gebäude zu nutzen, energetisch zu sanieren und regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern. Familiengeführte Pensionen, kleinere Hotels und Ferienhöfe können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Entscheidend ist nicht nur, wie viele Menschen auf der Insel übernachten, sondern wie viel ihrer Urlaubsausgaben tatsächlich in der Region bleibt.
Die Lage am Meer prägt selbstverständlich auch die Küche. Fisch gehört traditionell zu Rügen, doch nachhaltiger Genuss verlangt heute einen genaueren Blick auf Herkunft, Fangmethoden und den Zustand der jeweiligen Bestände.
Daneben hat die Insel kulinarisch weit mehr zu bieten. Sanddorn wird zu Säften, Marmeladen und anderen Spezialitäten verarbeitet, landwirtschaftliche Betriebe produzieren Kartoffeln, Gemüse, Fleisch, Milchprodukte und Getreide. Hofläden und regionale Märkte ermöglichen es Gästen, direkt bei Produzenten einzukaufen.
Damit wird Essen zu einem Teil nachhaltigen Reisens: Kurze Wege reduzieren Transporte und gleichzeitig bleibt mehr Wertschöpfung bei den Menschen, die auf der Insel leben und arbeiten.
Während die Kreidefelsen auf fast jedem Reisefoto zu sehen sind, bleiben andere Lebensräume oft im Hintergrund. Boddengewässer, Schilfgürtel, Moore und Feuchtwiesen sind ökologisch mindestens ebenso wertvoll. Sie bieten zahlreichen Vogelarten Nahrung und Rückzugsräume und spielen während des Vogelzugs eine wichtige Rolle.
Besondere Bedeutung besitzen die Moorlandschaften. Intakte Moore können große Mengen Kohlenstoff speichern. Werden sie entwässert, kann dagegen über lange Zeit gebundener Kohlenstoff als Treibhausgas freigesetzt werden. Schutz und Wiedervernässung solcher Flächen verbinden deshalb auf sehr direkte Weise Arten- und Klimaschutz.
Rügen zeigt besonders deutlich, warum touristischer Erfolg nicht ausschließlich anhand steigender Besucherzahlen gemessen werden sollte. Eine Insel verfügt über begrenzte Ressourcen. Verkehr, Trinkwasser, Abwasser, Energie, Wohnraum und verfügbare Flächen können nicht beliebig erweitert werden.
Gerade während der Hauptsaison wird sichtbar, wie schnell Popularität zur Belastung werden kann. Eine nachhaltige Strategie muss deshalb Besucher besser über das Jahr und über die Insel verteilen. Längere Aufenthalte, Reisen außerhalb der Hochsaison, öffentliche Verkehrsmittel und die stärkere Einbindung regionaler Betriebe können dazu beitragen.
Ein Urlaub im Frühling oder Herbst bietet dabei einen zusätzlichen Reiz. Im Frühjahr erwachen Wälder und Küstenlandschaften, im Herbst verändert sich das Laub der alten Buchenwälder und zahlreiche Zugvögel sind unterwegs. Gleichzeitig profitieren Hotels, Gastronomie und andere Betriebe von einer längeren Saison, anstatt ihre Einnahmen auf wenige Sommerwochen konzentrieren zu müssen.
Für eine Insel sind die Folgen des Klimawandels besonders relevant. Langfristig steigende Meeresspiegel, Sturmfluten und veränderte Niederschlagsmuster beeinflussen Küsten, Natur und Landwirtschaft.
Dabei waren Küsten allerdings schon immer dynamische Landschaften. Strände verändern sich, Steilküsten brechen ab und Strömungen verlagern Sedimente. Die Herausforderung besteht darin, zu entscheiden, wo Infrastruktur geschützt werden muss und wo natürliche Küstenentwicklung zugelassen werden kann.
Auch hier zeigt sich ein Grundprinzip nachhaltiger Entwicklung: Nicht jede Veränderung der Natur lässt sich verhindern. Langfristig kann Anpassung sinnvoller sein als der Versuch, Landschaften dauerhaft in einem bestimmten Zustand festzuhalten.
Rügen ist weit mehr als Kreidefelsen und Strandurlaub. Alte Buchenwälder, dynamische Küsten, Boddenlandschaften, Moore, traditionelle Seebäder und eine über Jahrhunderte gewachsene Kulturlandschaft machen die Insel außergewöhnlich vielfältig.
Gerade diese Vielfalt gilt es zu bewahren. Nachhaltig zu reisen bedeutet auf Rügen deshalb nicht, auf Erlebnisse zu verzichten. Es bedeutet, anders zu reisen: mit Bahn und Bus anzukommen, das Fahrrad zu nutzen, regionale Betriebe zu unterstützen, sensible Naturräume zu respektieren und vielleicht einen Tag länger zu bleiben.
So entsteht eine Form des Tourismus, bei der nicht möglichst viele Sehenswürdigkeiten in möglichst kurzer Zeit konsumiert werden. Stattdessen bekommt ein Ort wieder das, was im modernen Reisen oft fehlt: Zeit.
Mehr Informationen: https://www.ruegen.de/
Nächste Folge: Ausseerland Salzkammergut – Seen, Almen, gelebtes Brauchtum und die Frage, warum der Erhalt regionaler Kultur ebenfalls Teil nachhaltigen Reisens ist.
Die ersten Blätter fallen, die Sommerblumen verblühen, und im Garten beginnt die Zeit des Aufräumens. Doch wer jetzt jedes Blatt entfernt und alle Stauden zurückschneidet, beseitigt auch wertvolle Rückzugsorte. Ein wenig herbstliche Unordnung hilft Tieren durch die kalte Jahreszeit – und erspart uns einiges an Arbeit.
Der Rechen steht bereit, die Gartenschere liegt griffbereit. Noch einmal alles ordentlich machen, bevor der Winter kommt: Für viele gehört das zum Herbst wie die letzten Tomaten und die kühleren Abende.
Dabei lohnt es sich, vor dem Abschneiden und Wegräumen genauer hinzusehen. Was für uns verblüht oder liegen geblieben aussieht, kann für andere Lebewesen Nahrung, Schutz oder ein Winterquartier sein. Ein Garten lebt auch dann weiter, wenn seine bunten Blüten verschwunden sind.
Unter Hecken, Sträuchern und Bäumen darf Herbstlaub liegen bleiben. Es bedeckt den Boden, schützt ihn vor Austrocknung und mildert Temperaturextreme. Nach und nach wird es zersetzt; dabei gelangen Nährstoffe zurück in den natürlichen Kreislauf.
Zwischen den Blättern finden zahlreiche kleine Tiere Unterschlupf. Was dort krabbelt und lebt, dient wiederum Vögeln und anderen Gartenbewohnern als Nahrung. Wer das gesamte Laub entsorgt, entfernt damit auch einen Teil dieses Lebensraums.
Auf geeigneten Beeten kann eine lockere Laubschicht ebenfalls als Bodenschutz dienen. Der BUND Naturschutz empfiehlt dafür eine etwa drei bis fünf Zentimeter starke Mulchschicht. BUND Naturschutz: Gartenpflege im Herbst
Besonders wertvoll ist ein geschützter Platz, an dem Laub, Zweige und etwas Totholz zusammenkommen. Unter einer Hecke oder in einer wenig genutzten Gartenecke kann daraus ein möglicher Unterschlupf für Igel entstehen.
Dafür braucht es keine aufwendige Gartengestaltung. Material, das beim herbstlichen Arbeiten ohnehin anfällt, lässt sich an einer passenden Stelle aufschichten. Entscheidend ist, dass dieser Rückzugsort anschließend bestehen bleiben darf.
Hat sich ein Tier eingerichtet, sollte der Haufen über den Winter ungestört bleiben. Auch wenn zwischendurch ein milder Tag zum Weiterarbeiten einlädt: Ein Winterquartier ist kein Gartenabfall, der bei nächster Gelegenheit doch noch weggeräumt werden sollte. Gerade die Kombination aus Holz, Reisig und Laub dient als geeigneter Schutz für überwinternde Igel.
Auch bei der Gartenschere lohnt sich Zurückhaltung. Trockene Stängel und Samenstände erfüllen weiterhin wichtige Aufgaben: Vögel können sich an verbliebenen Samen bedienen, während manche Insekten in oder an Pflanzenstängeln überwintern.
Wer geeignete abgeblühte Stauden bis ins Frühjahr stehen lässt, erhält diese Strukturen. Besonders Pflanzen mit Samenständen und hohlen Halmen sollten deshalb beim herbstlichen Aufräumen nicht automatisch abgeschnitten werden.
Und auch für das Auge bleibt etwas: Gräser im Gegenlicht, dunkle Samenstände und später vielleicht Raureif auf trockenen Blüten. Der Garten verändert sein Aussehen. Er muss im Winter nicht leer sein.
Natürlich muss nicht jeder Weg unter Blättern verschwinden. Auf Treppen und häufig begangenen Flächen sollte nasses Laub entfernt werden, damit niemand ausrutscht. Auch auf dem Rasen ist eine dicke, dauerhaft feuchte Laubdecke ungünstig.
Das zusammengerechte Material kann anschließend unter Sträuchern oder in einer geschützten Ecke weiterverwendet werden. Für kleinere Gartenflächen reichen Rechen und Besen meist gut aus. Laubsauger können dagegen mit den Blättern auch kleine Tiere aufnehmen und verletzen.
So können gepflegte Wege und wilde Bereiche problemlos nebeneinander bestehen. Schon ein bewusst ausgesparter Rand verändert, wie viel Raum der Garten seinen tierischen Bewohnern lässt.
Vielleicht beginnt die Veränderung mit einer einzigen Ecke: unter der Hecke, hinter dem Hochbeet oder entlang des Zauns. Dort bleiben die Blätter liegen. Daneben dürfen ein paar Stauden ihre Samen behalten.
Das kostet wenig und verlangt vor allem, einen vertrauten Handgriff gelegentlich auszulassen. Bevor wir im Herbst alles winterfest machen, können wir uns fragen: Wer könnte genau das brauchen, was ich gerade wegräumen möchte?
Begriffe wie „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig“ sind längst zu wichtigen Verkaufsargumenten geworden. Doch nicht immer ist erkennbar, was tatsächlich hinter solchen Aussagen steckt. Neue Regeln sollen das ändern und dafür sorgen, dass Umweltwerbung künftig verständlicher, überprüfbarer und glaubwürdiger wird.
Ab 27. September 2026 gelten in Österreich strengere Vorgaben für Umwelt- und Nachhaltigkeitsaussagen. Grundlage ist die europäische EmpCo-Richtlinie, die Konsumentinnen und Konsumenten besser vor irreführenden Geschäftspraktiken schützen soll.
Pauschale Aussagen wie „grün“, „ökologisch“ oder „umweltfreundlich“ dürfen künftig nicht mehr ohne nachvollziehbare Grundlage verwendet werden. Unternehmen müssen deutlich machen können, worauf sich ihre Aussage bezieht und wodurch sie belegt wird.
Ein Produkt darf beispielsweise nicht allein deshalb als umweltfreundlich beworben werden, weil ein einzelner Bestandteil nachhaltiger hergestellt wurde. Entscheidend ist, welchen Eindruck die gesamte Darstellung bei den Konsumenten erzeugt.
Auch Angaben wie „klimaneutral“ geraten stärker unter Druck. Besonders kritisch sind Aussagen, die sich ausschließlich auf den Kauf von CO₂-Zertifikaten oder andere Kompensationsmaßnahmen stützen. Der Eindruck, ein Produkt selbst verursache keine oder weniger Emissionen, kann dadurch irreführend sein.
Auch die Zahl grüner Siegel und Umweltzeichen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Viele davon sehen offiziell aus, beruhen aber auf selbst entwickelten Kriterien oder sind für Konsumenten kaum überprüfbar.
Künftig dürfen Nachhaltigkeitssiegel grundsätzlich nur noch verwendet werden, wenn sie auf einem anerkannten Zertifizierungssystem beruhen oder von einer staatlichen Stelle eingeführt wurden. Das soll glaubwürdige Kennzeichnungen stärken und frei erfundene Labels zurückdrängen.
Versprechen für die Zukunft müssen überprüfbar sein
Viele Unternehmen werben mit langfristigen Zielen wie „klimaneutral bis 2040“ oder „Netto-Null bis 2050“. Solche Ankündigungen sind grundsätzlich weiterhin möglich. Sie müssen jedoch auf einem nachvollziehbaren und öffentlich zugänglichen Plan beruhen.
Dazu gehören konkrete Maßnahmen, messbare Zwischenziele und eine unabhängige Überprüfung der Fortschritte. Reine Absichtserklärungen ohne belastbaren Weg zur Umsetzung sollen nicht länger als Nachhaltigkeitsleistung verkauft werden können.
Die neuen Regeln bedeuten nicht, dass Unternehmen nicht mehr über ihre Umweltleistungen sprechen dürfen. Im Gegenteil: Wer Energie spart, Emissionen reduziert, Produkte reparierbarer macht oder Materialien im Kreislauf führt, kann diese Leistungen weiterhin kommunizieren.
Der Unterschied liegt künftig stärker in der Belegbarkeit. Unternehmen, die bereits transparent arbeiten und ihre Fortschritte dokumentieren, erhalten dadurch einen Vorteil gegenüber jenen, die Nachhaltigkeit vor allem als Werbesprache nutzen.
Auch für Konsumenten wird es leichter, Produkte und Unternehmen miteinander zu vergleichen. Umweltversprechen sollen weniger von ansprechenden Farben, Bildern und Schlagworten abhängen – und stärker von nachvollziehbaren Fakten.
Greenwashing schadet nicht nur Konsumenten. Es schwächt auch jene Unternehmen, die tatsächlich in Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Produktion investieren. Wenn nahezu jedes Produkt als „grün“ bezeichnet werden kann, verliert der Begriff seinen Wert.
Die neuen Vorgaben können deshalb zu mehr Fairness führen. Sie schaffen noch keine nachhaltige Wirtschaft, aber sie verändern die Regeln ihrer Kommunikation.
Wer glaubwürdig nachhaltig handelt, muss strengere Anforderungen nicht fürchten. Im Gegenteil: Wenn grüne Versprechen überprüfbar werden, bekommen echte Fortschritte wieder mehr Gewicht.

